Il prigioniero von Luigi Dallapiccola

Premiere: Luzerner Theater, 2025

Aniara Amos wurde eingeladen, für einen Doppelabend den ersten Teil zu konzipieren und zu inszenieren. Dieser Auftakt ist als eigenständiger Prolog für „Requiem für einen Gefangenen“ angelegt und entwickelt eine konzentrierte, bildhafte Sprache, die den thematischen Raum des gesamten Abends öffnet.

Im Zentrum steht das Spannungsfeld von Gefangenschaft und Freiheit – nicht nur als politischer Zustand, sondern als zutiefst körperliche Erfahrung. Dallapiccolas Il prigioniero erzählt von der trügerischen Hoffnung auf Befreiung, die sich als grausame Täuschung erweist, und gehört zu den eindringlichsten musikalischen Auseinandersetzungen mit Macht, Hoffnung und Manipulation im 20. Jahrhundert.

Die Inszenierung von Aniara Amos verlagert diese Fragestellung radikal in den Körper. Freiheit erscheint nicht als abstrakte Idee, sondern als Empfindung: als Enge, als Erwartung, als flüchtiger Moment von Öffnung, der jederzeit wieder entzogen werden kann. Der Körper im Raum wird zum Ort, an dem sich Kontrolle, Identitätsverlust und Sehnsucht einschreiben.

Die szenische Anlage ist geprägt von Reduktion und Klarheit. Raum, Licht, Klang und Bewegung verdichten sich zu einer präzisen Form, die weniger erzählt als vielmehr einen Zustand erzeugt. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Hoffnung und Ausweglosigkeit, das sich unmittelbar auf den Zuschauer überträgt.

Der erste Teil setzt damit einen eigenständigen künstlerischen Akzent innerhalb des Gesamtprojekts. Er rahmt das „Requiem für einen Gefangenen“, ohne es zu illustrieren, und öffnet einen Erfahrungsraum, in dem sich die existenziellen Fragen des Abends körperlich manifestieren.

Besetzung

Inszenierung: Aniara Amos
Musikalische Leitung: Jörg Halubek

Bühne: Aniara Amos / Valentin Köhler
Kostüme: Aniara Amos
Video: Rebecca Stofer
Foto: Ingo Hoehn
Licht: Ulrich Eh
Dramaturgie: Pia-Rabea Vornholt

Mit:
Levent Bakirci – Der Gefangene
Bénédicte Tauran – Die Mutter
Robert Maszl – Großinquisitor

Chor und Orchester des Luzerner Theaters



Reviews

„Ein albtraumhaftes Theater von großer Eindringlichkeit.“
(Luzerner Zeitung)

„Aniara Amos findet eine klare, konzentrierte Bildsprache für Dallapiccolas beklemmendes Werk.“
(Luzerner Zeitung)

„Die klaffende Dunkelheit auf der Bühne und der Raum des Publikums verschmelzen – für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.“
(Luzerner Zeitung)

„Der Abend kreist um Freiheit, Würde und den freien Willen – und zeigt, wie die Illusion von Hoffnung zur grausamsten Form der Gefangenschaft werden kann.“
(arttv)

„Die Inszenierung geht unter die Haut und macht die innere Zerrissenheit körperlich erfahrbar.“